Virtuelle und reale Welten beim Medienpräventionstag im Kreishaus

„Gut jeder sechste Jugendliche zeigt problematisches Nutzungsverhalten oder ist sogar abhängig vom Internet“. Mit diesem Satz begrüßte der 1. Kreisrat Herr Winter die Besucher des Medienpräventionstages im Kreishaus in Meppen und zitierte damit die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans die letzte Woche die Ergebnisse der ersten repräsentativen Studie zur Häufigkeit der Internetabhängigkeit in Deutschland vorgestellt hat. Er wolle aber keine Panik verbreiten, hieß es weiter. „Ein Großteil der übrigen 85% der Jugendlichen nutzt das Netz positiv und zielorientiert.“
„Das Nutzungsverhalten sei aber je nach Altersgruppe und Geschlecht völlig unterschiedlich. Während Erwachsene das Internet häufig als reines Handwerkszeug begreifen, verlieren sich junge Mädchen zwischen anstupsen, gruscheln und „Gefällt-mir“-Buttons in den weitläufigen Strukturen der sozialen Netzwerke. Und Jungs spielen lieber, sie schlüpfen oft stundenlang in die Rollen von Kriegern, Heilern und Priestern und tauchen ab in die Welt von World of Warcraft, erklärte Winter.“
Über 20 Institutionen und Akteure waren auf Einladung des Landkreises Emsland und des Arbeitskreises „Medienprävention“ mit verschiedenen Angeboten am Medienpräventionstag vertreten und standen für alle Fragen der Besucher zur Verfügung.

In 10 Vorträgen und Workshops konnten sich die Teilnehmer informieren und weiterbilden.

Die Chancen und Herausforderungen für die Jugendarbeit stellte Björn Bertram vom  Landesjugendring Niedersachsen unter dem Motto „Medienpädagogik und Communities“ heraus. Facebook, Twitter, YouTube und andere Plattformen des Mitmachwebs 2.0 lassen sich gewinnbringend in der moderne Jugendarbeit integrieren. Welche Einsatzmöglichkeiten vor allem Lehrkräfte mit dem Mitmach-Internet „Web 2.0“ haben, konnte Carsten de Groot von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt/Multimediamobil aufzeigen.
Fachkräfte aus Schule, Kitas und Jugendarbeit nahmen Kontakt zum Kompetenzteam „comPass – Ich kenn mich aus im Netz“ auf, die ihrerseits Schulungen für Multiplikatoren anbieten. Das Institut für Internetpädagogik möchte schon blad eine Expertenschulung im Landkreis Emsland durchführen.
Besonders der Workshop „Trickfilmchen gestalten“ von Blickwechsel e.V. ist bei den Fachkräften gut angekommen. Die LAN-Party des Eltern Medien Trainers Jürgen Ermes und das mobile Internetcafe vom „Team Jugend“ der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Lingen zogen eher die jungen Besucher der Veranstaltung an. Für die ganz kleinen Besucher war die Blue Box der Kunstschule und des J@M-Centers Meppen das Highlight der Veranstaltung. Die Kinder haben sich mit Hilfe des Jugendpflegers Karsten Streeck, mit dem Bluebox-System, in ihre selbstgemalten Bilder projiziert.
Ebenfalls wurde der neue Jugendserver des Landkreises Emsland emSide.de vorgestellt, der gerade gestaltet wird und demnächst in neuem Gewand und neuen Inhalten erscheint. Die Video-AG der Franziskus-Demann-Schule Freren zeigte ihren prämierten Videospot „Lass dich nicht anstecken – Zeig Mut gegen Mobbing“.
Das Team von Juz-TV aus Papenburg war als Reporterteam vor Ort und hat viel „Stoff“ für ihre nächste Internet-Fernsehsendung gesammelt. Die Ems-Vechte-Welle begrüßte alle Interessierten mit dem Ü-Wagen vor dem Kreishaus.

Aber auch die anfangs erwähnten problematischen Themen wurden angesprochen:
Hartmut Bruns (Polizeikommissariat Meppen) und Dieter Rothlübbers (Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim) berichteten von Gefahren im Chat und sozialen Netzwerken und gaben praktische Tipps für Eltern und Kinder. Das Angebot der Landesschulbehörde „Mobbing-Interventions-Team (MIT) für Ihre Schule“  wurde einem breiten Publikum von Adelheid Wessel vorgestellt und die psychologischen Beratungsstellen aus Meppen und der Kinderschutzbund Logo aus Lingen waren als Ansprechpartner für Fragen zu (Cyber)mobbing vor Ort. Vorgestellt wurde auch das Projekt „Space-Limit“ des Caritasverbandes, eine Kompetenzwerkstatt in Sachen Medienkompetenz.

Beim Präventionsprojekt „Krötenwerkstatt“ des SKM Lingen konnten sich die jungen Besucher über mögliche Schuldenfallen informieren und beraten lassen. Karin Möhlenkamp von der Verbraucherzentrale Meppen gab praktische Tipps zum Datenschutz im Netz.

Doch was ist, wenn die Computernutzung problematisch und als Folge exzessiven PC-/Online-/Medien Gebrauchs womöglich zur Sucht wird? Dieser Thematik widmeten sich Anja Möller vom Caritasverband Landkreis Emsland und Markus Teepker vom Diakonisches Werk Emsland/Bentheim. Mit Hilfe der Puppe Luigi erarbeiteten die Experten mit den Interessierten die Problematik des exzessiven Computerspielens. Was für Bedürfnisse hat Luigi? Und warum findet er die Befriedigung der Bedürfnisse in den Computerspielen?

Zum Abschluss referierte Rechtsanwalt Florian Dälken zu Abo-Fallen im Internet, Urheberrechtsverletzungen und Rechtsproblemen rund um Facebook und VZ-Netzwerke. Nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene konnten hier sehen, dass man sich im Netz vorsichtig bewegen muss, um nicht in rechtliche Schwierigkeiten zu geraten.
Es gab aber auch ganz „reale Angebote“ an diesem Tag, der sich überwiegend mit virtuellen Welten beschäftigte. So konnten sich die Besucher bei Kaffee und Kuchen der kfd Groß-Hesepe austauschen und Kontakte knüpfen oder an der Kletterwand des Kreissportbundes hoch hinaus und über das Kreishaus schauen.
Positiv werteten die Veranstalter, dass sich nicht nur Fachleute, sondern auch Eltern mit ihren Kindern den Weg ins Kreishaus gefunden und sich über die Chancen und Gefahren der neuen Medien informiert haben.

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