Harte Kerle mit weichem Kern

21. August 2014 | Von | Kategorie: Allgemeines, News

 

Ohrenfeindt engagieren sich für  Viva con Agua de St. Pauli und das Kinderhospiz „Sternenbrücke“ 

 

Papenburg/Hamburg. Auf der Bühne sind sie die ganz harten Jungs, tätowiert – Biker eben. Ihr zuhause – zwischen käuflicher Liebe, Drogen, aber auch vielen Kulturen, Hamburg St. Pauli. Doch ist das die ganze Wahrheit? Wir begaben uns auf die Spuren des unterhaltenden Business und treffen Chris Laut von Ohrenfeindt am Merchandisingstand beim Konzert in Papenburg. Vorhin grölte er noch Titel wie „Auf die Fresse ist umsonst“ und „Rock’n’Roll Sexgott“ in Richtung des Publikums, nun steht der Frontmann der Rockband entspannt mit Edding und Kaltgetränk am Stand, schreibt Autogramme und scherzt mit den Zuschauern.

Natürlich sind die drei auf der Bühne das, was sie auch sind, Rocker aus tiefsten Herzen, doch natürlich spielen sie auch ein wenig auf der Bühne mit diesem Image. Wichtig ist es ihnen jedoch, immer dabei authentisch zu sein und sich nicht zu verstellen. Auch ihre Titel entstammen oft dem Leben. Es sind nicht die biografischen Sachen, sondern auch das, was um einen Drumherum passiert. “ Wie  er und seine Bandkollegen zu den Ideen für Texte kommen, zeichnet der Hamburger Jung das Bild des englischen Fantasy-Autoren Terry Pratchett nach: „Ideen sind eine Art unsichtbare Materie, die durch den Raum schwirren und bei manchen Menschen mit besonderen Antennen hängen bleiben.“ Und nicht nur ihre Ideen zu den Texten finden sie in diesem Raum – auch all die Schattenseiten der Gesellschaft lernen sie kennen.

 

Sie sehen das, was sie machen als Privileg, auf der Bühne nicht nur Musik zu machen, sondern auch davon leben zu können. Dabei gibt es auch Menschen, für die sind die Sorgen, Miete und steuern aufbringen zu können, Luxussorgen, da sie mit noch ganz anderen Problemen zu kämpfen haben. Es sind Menschen, denen z.B. Gliedmaßen fehlen und deshalb im Rollstuhl sitzen, Mitmenschen, die Schlaganfälle erlitten, diejenigen, die ähnliches hatten oder aus vielen anderen Gründen einfach nicht so viel Glück hatten wie andere Mitmenschen hatten. Auch an diese Mitmenschen denken sie dabei. Da möchten die drei etwas von ihrem Glück weitergeben an diese Menschen.

 

Das erste Projekt, für dass sie sich einsetzen ist „Viva con Agua de Sankt Pauli“ und ist eine Initiative, die sich für die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern engagiert. Fehlender Zugang zu Wasser und zu sanitärer Grundversorgung gehören zu den größten sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts in vielen Teilen der Welt. Weltweit haben 748 Millionen Menschen nach Angaben von WHO und UNICEF keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Darüber hinaus leben über 2,5 Milliarden Menschen ohne angemessene sanitäre Basisversorgung, so heisst im Update 2014 des Joint Monitoring Programms, beider Organisationen. Für Viva con Agua sind diese Tatsachen die grundlegende Motivation zum Handeln und zur Verwirklichung von Wasserprojekten aus dem sogenannten WASH-Sektor. Dabei steht „WASH“ für „Water, Sanitation and Hygiene“, übersetzt „Trinkwasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene“. Der Großteil der von Viva con Agua de Sankt Pauli gesammelten Spenden fließt an die Welthungerhilfe, einer der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland. Wichtig ist es der Spendenorganisation Viva con Aqua, dass die Spenden für nachhaltige Projekte einzusetzen, sodass es sich ausschließlich um langfristige Projekte der Entwicklungszusammenarbeit handeln.

 

Das zweite Projekt, dass die Band seit rund drei Jahren unterstützt ist das Hamburger Kinderhospiz „Sternenbrücke“, auf die sie durch eine Reportage aufmerksam wurden.  Es ist eine Einrichtung für Kinder und junge Menschen bis zu einem Alter von 27 Jahren mit unheilbaren oder funktionsmindernden Erkrankungen, für die keine anderen Therapien mehr möglich sind und die eine begrenzte Lebenserwartung haben. Chris laut dazu im Wortlaut im Gespräch mit Emside:

 

„Die Sternenbrücke ist ein Ort der Freude und ein Ort der Erholung. Freude klingt im ersten Moment komisch, aber die Kinder, die dort hingehen, finden dort Menschen, die sie nehmen, wie sie sind, sie trösten, mit ihnen spielen und mit ihnen den letzten Weg gehen. Sie sind nicht allein – und vor allem: ihre Lieben sind dort auch bei ihnen. Es ist ein heller Ort, ein Ort, wo man gern ist und nicht, wie man meinen könnte, ein Ort mit dem Geruch des Todes, sondern mit der Freude des Lebens. Der Wahlspruch der Sternenbrücke ist: „Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben“ (Ciceley Sauners). Und so fühlt es sich dort einfach auch an. Dennoch braucht die Arbeit dort sehr viel Kraft. Wir könnten das nicht leisten. Aber wir können eben etwas Geld einsammeln, um denen, die die nötige Kraft haben, bessere Möglichkeiten zu geben.“

 

Während ich neben ihm stehe habe ich das Gefühl, er wird ein wenig sentimental, auch, wenn er es nicht zugeben würde. Aber ich lese ebenfalls eine Begeisterung aus seinen Augen heraus für diese Einrichtung, denn seine Augen strahlen dabei. Sie sind eben auch nur Menschen, wie du und ich, die zwar auf der Bühne die harten Jungs sind, die jedoch auch ein ganz großes Herz haben.

 

Wir wünschen den Projekten weiterhin viel Erfolg und danken Chris Laut dafür, dass er sich Zeit für uns nahm, um uns über diese beiden tollen Projekte zu sprechen. Wie ihr diese Projekte unterstützen könnt, könnt ihr jeweils auf deren Internetseiten erfahren.

 

Links

Viva con Aqua de Sankt Pauli

Sternenbrücke

Ohrenfeindt

 

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