Jugendgruppe Peergroup8 bringt neue Farben ins Jugendnetzwerk

Aug 14th, 2014 | By | Category: Allgemeines, News

 

Meppen. Halb Sieben am Dienstagabend im Meppener Jugendzentrum an der Königstraße, Musik in Zimmerlautstärke durchflutet den Hauptraum im Erdgeschoss. Junge Menschen sitzen in geselliger Runde zusammen, trotz eigentlich – oder gerade weil das Jugendzentrum um diese Zeit bereits offiziell geschlossen hat. Es ist die  Peergroup8, die Jugendgruppe des Vereins Land Lust e.V., die sich für sexuelle Vielfalt, Akzeptanz und freie Lebensgestaltung einsetzt. Sie spricht vor allem junge, homosexuelle Menschen an, sowie Heran-wachsende, die sich als transsexuelle, trans-gende oder intersexuelle Personen beschreiben würden. Darüber hinaus sind auch alle anderen interessierten Personen eingeladen, die Runde zu ergänzen. Niemand soll hier wegen seiner Lebensausrichtung schief angesehen oder negativ beurteilt werden. An den Abenden, die einmal die Woche stattfinden, können sich die jungen Menschen in einer vor Blicken Anderer geschützten Umgebung Erfahrungen austauschen, Rat erhalten oder wie in jedem anderen Verein einfach einen coolen, entspannten Abend bei Musik, Billard oder anderen Spielen verbringen.

 

Gegründet wurde die Gruppe im September letzten Jahres und wird von den ehrenamtlichen Sozialpädagogen Inga Koop und Pascal Hartmann-Boll begleitet. Pascal selber kann nachempfinden, wie sich diese jungen Menschen fühlen, denn er selber hat für sich erkannt, dass er keinen Gefallen an Frauen findet, wie viele andere Männer, sondern er sich zu Männern hingezogen fühlt. Inzwischen lebt der selbstständige Berater mit seinem Partner Sven in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Wichtig war ihm, aber auch Inga Koop, dass die Jugendgruppe in der Altersspanne von vierzehn bis vierundzwanzig Jahren ein Umfeld findet, in der offen über alles gesprochen werden kann. Themen unter den Jugendlichen aus dem ganzen Emsland sind unter anderen die bisher gemachten Erfahrungen, Outing, aber auch ganz alltägliche Angelegenheiten aus Schule und Beruf.

 

Finanziert wird die Gruppe in ihrer Startphase durch ein Think Big-Projekt mit 400.- Euro. Wie es finanziell weitergeht, ist derzeit für die Gruppe noch nicht ganz klar, zwar stellt das Jugendzentrum seine Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung, jedoch gebe es ja auch andere Posten, die finanziert werden müssten, wie Aktionen. So haben sich Hartmann-Boll und Koop für die Gruppe um weitere finanzielle Unterstützung bemüht und sich auf zwei Förderungen beworben. Zwar werde die Gruppe auch aus dem Vereinsetat unterstützt, doch in wie weit das Geld zur Verfügung steht, ist fraglich. Wie es alle Vereine kennen, muss auch bei Land Lust e.V. auf Grund eines engen Budgets jeder Euro mehrfach umgedreht werden. Finanzquellen sind über die Jahre leider rar geworden, obwohl Vereinsarbeit zu den wichtigen Stützen der Gesellschaft gehört. So diskutierte die Gruppe, ob man sich nicht auch einen Sponsor mit ins Boot holt, um sich zukünftig besser aufstellen zu können. Einen ersten Schritt wollen sie dafür im September machen. Dann beteiligen sie sich wie der Verein am Meppener Stadtfest, in der Nähe der MEP. Darüber hinaus beschloss die Gruppe, auch auf dem Kleinstadtfest der Kleinstadtkinder aktiv zu werden.

 

Neben anderen Vereinen wollen sie zeigen, dass auch sie ein ganz normaler Teil der Meppener Gesellschaft sind. Neben Informationsmaterial will die Gruppe auf dem Kleinstadtfest kreativ werden. Angedacht ist zu einem, das Emblem der Gruppe mit Tattoo-Stiften interessierten Personen auf dem Körper zu malen. Diese sind dann für einige Tage sichtbar, bevor sie nach und nach verblassen oder vorzeitig abgewaschen werden. Zum anderen wollen sie alle Anwesenden motivieren, sich künstlerisch auf einer Leinwand zu verewigen. Wie, das sei egal, ob nun etwas Gemaltes oder Geschriebenes. Was für die Gruppe zählt: Meppen malt bunt! Ein Wunsch sei es, im Anschluss das Ergebnis Meppens Bürgermeister Jan Erik Bohling zu übergeben und damit ein Zeichen zu setzen, dass in Meppen eine breite Vielfalt an Menschen mit verschiedensten Lebenswegen und -Einstellungen vorhanden ist. Ebenso wollen sie einen Beitrag leisten für das Leibliche Wohl am Samstag des Kleinstadtfestes. Versprochen ist für den Abend alkoholfreie Bowle, mit dem gemütlich in chilliger Atmosphäre angestoßen werden kann.

 

Im Gespräch mit Emside spricht Hartmann-Boll davon, dass er froh ist, durch seine Psychosoziale Praxis und dem ehrenamtlichen Engagement seinen Teil zum besseren Miteinander beitragen zu können. Jeder, der Bedarf hat, einmal mit jemanden offen über Dinge, die in seinem oder ihrem Leben nicht so läuft wie gewünscht, reden möchte, kann dieses in einem kostenlosen Erstgespräch bei seiner freien Beratung tun. Wenn darüber hinaus Bedarf besteht, können auch weitere Termine vereinbart werden. Dieses gilt natürlich nicht nur für Erwachsene. Auch Jugendliche können sich vertrauensvoll an ihn wenden. Er weist jedoch darauf hin im Gespräch, dass bei Jugendlichen natürlich eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegen sollte, auch wenn es um Probleme im Verhältnis zu den Eltern gehe. Im Laufe einer solchen Aufarbeitung durch gezielte, systemische Fragen und unter Einbezug des persönlichen Umfeldes kann, sollte dann auch ein Gespräch mit den Eltern stattfinden, um die Differenzen auch mit ihnen zu beleuchten und gemeinsam zu einem Ergebnis zu kommen.

 

Je nach Problem und Person kann der staatlich anerkannte Sozialarbeiter auf verschiedene Techniken zurückgreifen. Dabei seien für ihn besonders Metaphern und Bilder ein sehr oft genutztes Mittel, um auch komplexe Sachverhalte dem Hilfesuchenden vereinfacht darzustellen und zu erklären. Darüber hinaus bietet er auch Entspannungssitzungen an, die z.b. für den Gast mental an einen für ihn sicheren Ort gehen. Auch kleine Hausaufgaben, Begleitung des Alltags durch Bildkarten mit Sprüchen oder tägliche Rituale können helfen, Stück für Stück das Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Natürlich kann er dieses nicht völlig kostenlos anbieten, da er für diese Dienstleistung lange studieren musste und noch immer weitere Aufbauseminare und Fortbildungen absolvieren muss. Doch er betont im Gespräch, dass dieses für ihn nicht nur das Entgelt für eine Dienstleistung sein soll, sondern ihm wichtig ist, dass dieses auch als Wertschätzung seiner Arbeit angesehen werde. Zwar habe er ein festes Honorar, dass er für die Beratung nimmt, doch gibt es auch Ausnahmen. Für Menschen, die sich diese Höhe des Honorars nicht leisten können, bietet er ein soziales Honorar an, in dem die Mitmenschen ihm ihre Wertschätzung zum Ausdruck bringen können. Wie dieses ausfällt, das kommt für den in Osterbrock lebenden Mann auf den Einzelfall an – und locht währenddessen eine Kugel bei der Partie Billard ein. Zum Schluss liegt nur noch die volle Kugel mit der Acht auf dem Grün des Tisches – die Kugel, die auch im Logo der Gruppe wieder zu finden ist und beide Teams diese in unterschiedliche Taschen zu spielen haben.

 

Langsam neigt sich der Abend dem Ende entgegen, nach einer Stunde, wie bisher die Dauer angesetzt wurde. Einig sind sich die Jugendlichen, man wolle sich zukünftig länger im Jam treffen, um mehr miteinander unternehmen zu können. Bei einer Stunde seinen die Möglichkeiten für Aktivitäten noch relativ eingeschränkt. Da auch die Gruppe in der letzten Zeit weiteren Zulauf erhalten hat, wolle man den zeitlichen Rahmen auf eineinhalb Stunden erweitern. Gerade mit Hinblick auf das anstehende Kleinstadtfest sei für die Jugendlichen noch viel zu organisieren und vorzubereiten. Jede helfende Hand ist dabei gerne gesehen, ob nun von Gleichgesinnten oder einfach Jugendlichen, die sich engagieren wollen. Sie freuen sich auf viele neue Gesichter und neue Kontakte. Zu erzählen gibt es noch viel, in der Gruppe gibt es so einige interessante Charaktere, über die es lohnt, erzählt zu werden… vielleicht ein anderen Mal.

 

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